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Unterwegs in Down Under

Australien - Down Under

Australien – für viele Taucher ist der 5. Kontinent das Wunschziel schlechthin. Im Nordosten lockt das Great Barrier Reef, in Südaustralien kann man mit Seelöwen und Weißen Haien tauchen und Westaustralien bietet mit dem Ningaloo-Reef einzigartige Möglichkeiten für Walhaibeobachtungen.

Von Frankfurt aus flog ich zunächst über die Polarroute nach Japan, von wo es nach einem kurzen Aufenthalt in Tokio (wegen der grassierenden SARS-Seuche nur mit Mundschutz im Gesicht) weiter nach Australien ging.


Dort hieß mein erstes Ziel Collaroy Beach. Kaum angekommen, fand ich bei der ersten Strandwanderung zwischen angeschwemmten Kelp das spiralförmige Ei eines Port-Jackson-Hais.

Collaroy Beach Ei eines Port-Jackson-Hais

Ich konnte es kaum erwarten endlich unter Wasser zu kommen! Doch leider wurde meine anfängliche Euphorie schnell getrübt. Denn während bei uns in Deutschland der Frühling einkehrte, kündigten sich im Süden Australiens die ersten Herbststürme an. So war das Tauchen wegen rauen Witterungsbedingungen und der mächtigen Herbstbrandung nur an wenigen Tagen möglich.

In den ersten Tagen war das Wetter noch günstig und ich nutzte die Gelegenheit mehrere Tauchgänge am Shelly Beach – einem Strand nördlich von Sydney – zu unternehmen. Das Bild unter Wasser wurde hier durch große Felsbrocken, Seegras und Kelpwiesen bestimmt. Dazwischen tummelten sich unzählige Fische, von denen einige nur in Südaustralien vorkommen. Den bekanntesten, den Fetzenfisch, bekam ich zwar nicht zu Gesicht, dafür aber Blue Grouper und die „Alte Frau“, eine nur hier vorkommende Fischart, die leicht an ihrer eigentümlichen Form zu erkennen ist. Der Körper ist silberweiß und hat sechs bis acht schwarze Bänder variabler Breite. Die Alte Frau hat zwei verschiedene Rückenflossen, wobei die zweite wie eine Sichel geformt ist. Die Rückenflossendorne enthalten ein schmerzhaftes Gift. Welchen Umständen die Alte Frau ihren merkwürdigen Namen verdankt, kann ich trotz intensiver Recherche nicht sagen. Die einzige Erklärung, die ich im Internet fand, lautet wie folgt: „Der alten Frau wurde seinem ziemlich nachteiligen Namen im Hinweis auf dem Ton er Marken gegeben, indem man seine Zähne rieb, nachdem er verfangen ist.“ Häh, wie bitte???

Abtauchen am Shelly Beach

Auf meinen Streifzügen durch die Unterwasserwelt Sydneys begegnete ich auch Skorpionsfischen, Kraken, Nacktschnecken und Banjorochen sowie einer der größten Kopffüßerarten der Welt – den australischen Riesen-Sepia. Die etwa einen Meter langen Tiere fand ich unter Überhängen, in Höhlen, Rinnen und Tangbeeten. Offensichtlich war gerade Paarungszeit, denn die sonst als Einzelgänger bekannten Riesen-Sepien traf ich hier meist paarweise oder zu dritt.

Banjorochen (Trygonorrhina fasciata) Riesensepia (Trygonorrhina fasciata) Riesenlippfisch (Achoerodus viridis)

Zu den beeindruckendsten Erlebnissen zählten aber für mich die zahlreichen Begegnungen mit Wobbegongs. Diese zur Gruppe der Teppichhaie gehörenden Tiere sind Meister der Tarnung. Sie lagen meist schwer erkennbar auf dem Meeresboden oder unter Felsvorsprüngen und lauerten auf Beute. Wobbegongs gelten als nicht ganz ungefährlich. Es gibt einige Berichte über Angriffe auf Taucher. Zwar erfolgten die meisten nachdem übermütige Taucher den Haien am Schwanz gezogen hatten oder aber durch Unachtsamkeit auf sie getreten waren. Doch in einigen Fällen erfolgten Attacken auch ohne vorherige Provokation.

Nach drei Tagen Collaroy-Beach zog es mich nach Sydney, um mich im Stadtteil Woollomooloo mit zwei Freunden aus Berlin zu treffen. Gemeinsam wollten wir Richtung Süden nach Phillip-Island fahren, um dort Robben und Pinguine zu beobachten. Wir kauften einen alten Ford Falcon, Baujahr 1988, und dann hieß es: Volle Fahrt voraus!

Erster Zielpunkt unserer Tour war die kleine Stadt Katoomba in den Blue Mountains, einer bis zu 1.100 m hohe Gebirgskette westlich von Sydney, die durch den Dunst der unzähligen Eukalyptusbäume aus der Ferne leicht bläulich wirkt und diesem Phänomen seinen Namen verdankt. Immer wieder schaute ich in die Baumkronen auf der Suche nach Koalabären. Die putzigen Tiere leben ausschließlich auf Eukalyptusbäumen, fressen deren Blätter und sind den ganzen Tag schlaftrunken, denn Eukalyptus enthält eine berauschende Substanz.

Blue Mountains

Da weit und breit keine Koalas zu sehen waren, besuchten wir nach einem Abstecher zur Felsformation Three Sisters den Australian Wildlife Park. Dort sah ich Kängeruhs (teils mit Jungtier im Beutel), Emus, Koalas und die in Erdlöchern hausenden Wombats. Ein Teil der Tiere war in Freigehegen untergebracht, zu denen Besucher freien Zutritt hatten. Somit war ein direkter Kontakt mit den Tieren möglich. Besonders die Kängeruhs waren beliebte Fotoobjekte, aber auch willig nach Streicheleinheiten.

Im Australian Wildlife Park

Von Katoomba folgte nun eine fast 1.000 km-Tour über Melbourne nach Phillip-Island. Die Insel war das eigentliche Ziel meiner Reise. Auf ihr befindet sich nicht nur Australiens größte Seebärenkolonie, sondern auch die größte Pinguin-Brutkolonie des Kontinents. Die grünen Hänge der bizarren Steilküste sind voll von Gelegen der kleinsten unter den weltweit 18 Pinguinarten – den Zwergpinguinen. Sie sind die einzigen, die an Australiens Küste brüten.

Von Cowes, dem Hauptort Phillip-Islands, starteten wir eine Fahrradtour zur Westspitze der Insel. Immer wieder gab es kurze, aber heftige Regenschauer, was jedoch zur rauen See und der eindrucksvollen Küstenlandschaft passte. Bei Point Grant konnte ich die ersten Pinguine beobachten und fotografieren. Auch sah ich von der Inselspitze aus die große Robbenkolonie an den vorgelagerten Seal Rocks, allerdings nur mit viel Mühe und einem sehr guten Fernglas. Erfreulicherweise tauchte jedoch am späten Nachmittag noch einer dieser lustigen, verspielten Säuger an der Hafenmole von Cowes auf, um einem Angler den Fisch wegzuschnappen und sich dann mir bereitwillig als Fotomodell zur Verfügung zu stellen.

Rauer Küstenabschnitt Phillip Islands Fur Seal

Unvergesslich bleibt mir der Abend, an dem ich die Gelegenheit hatte, die berühmte Pinguin-Parade am Summerland-Beach zu erleben. Mit Einbruch der Dunkelheit kamen die kleinen Frackträger zu Hunderten aus dem Meer und watschelten im Gänsemarsch die Uferböschung hinauf zu ihren Brutplätzen. Besonders beeindruckend war, wie sich die kleinen Kerle in Gruppen von jeweils 20 bis 25 Stück in Ufernähe sammelten. Fehlten einige Tiere, so ging die gesamte Gruppe zurück ins Meer, um sich mit den Nachzüglern erneut zu sammeln und geordnet und vollständig loszumarschieren.

Zwergpinguine

Am darauffolgenden Morgen ging es entlang der Ostküste wieder Richtung Norden. Unterwegs sah ich wildlebende Kängeruhs, zahlreiche Papageienarten – von den bunten Wellensittichen bis hin zu großen, prächtigen Kakadus – sowie hohe Termitenhügel.



Nach 3.000 km durch Südost-Australien erreichten wir wieder Sydney. Ich unternahm noch einen letzten Tauchgang und dann war die Reise schon wieder vorbei. Zwar standen noch zwei Tage in Tokio bevor, doch war ich schon ein wenig traurig, als das Flugzeug in Sydney startete. Zurück blieben die Kängeruhs, Koalas, Haie, Pinguine und Robben, die Erinnerung an sie nehme ich aber für immer mit nach Hause...

(Erstveröffentlichung in „Adlershofer Flossenblätter“ Ausgabe 53/2003)

Fotos: Roger Blum





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